Bilder
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Die Geburt Christi
Weihnachtsgeschichte, Bild 207
Audio-Transkription
Magisch, dramatisch, regelrecht fantastisch mutet Albrecht Altdorfers Gemälde durch seine szenische Gestaltung und seine besondere Lichtwirkung an.
Die Worte „O, Heiland, reiß’ die Himmel auf!“ spiegeln diese Wirkung. Sie stehen am Anfang von Johannes Brahms’ Motette, die er um 1863/64 für gemischten Chor ohne Begleitung komponierte. Brahms griff auf das gleichnamige kirchliche Adventslied zurück, dessen Text Friedrich von Spee im Jahr 1622 unter großer Not geschrieben hatte, vor vierhundert Jahren, mitten im Dreißigjährigen Krieg. In der Motette gestaltet Brahms die fünf Verse seiner Vorlage melodisch frei aus, so dass das schlichte Lied beträchtlich an Komplexität gewinnt.
Komplex ist auch Albrecht Altdorfers kleinformatiges Gemälde, das Christi Geburt darstellt. Nicht nur der Stern von Bethlehem strahlt wie ein riesiger runder Planet, auch aus dem aufgerissenen Himmel dringt überirdisches Licht.
Eine weitere Lichtquelle erhellt die weihnachtliche und intim wirkende Geburtsszenerie, die hier in einem als verwinkelte Ruine gemalten Stall ausgeführt ist: Es ist der Christusknabe selbst, der aus sich heraus überirdisches Licht spendet. Maria und Josef in ihrer Anbetung und die Engel um und über ihm werden von diesem Licht aus der Krippe erhellt.
Der dramatischen Lichtwirkung des Gemäldes entspricht die Mehrstimmigkeit von Brahms’ Motette. Die Führung der Stimmen erzeugt ein regelrechtes Klangpanorama, das sich, dem himmlischen Licht ähnlich, immer weiter ausbreitet.
Musik in voller Länge
Johannes Brahms (1833–1897)
„O Heiland, reiß die Himmel auf“
RIAS Kammerchor Berlin
Werkangaben
Die Geburt Christi (um 1511–1513),
Albrecht Altdorfer,
Lindenholz,
36,2 × 25,0 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders