Bilder
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Geburt Christi mit der Anbetung der Hirten
Weihnachtsgeschichte, Bild 208
Audio-Transkription
Klar und einfach wie ein Volkslied ist die Melodie von „Im Stall in der Krippe“. Sie wirkt demütig, beschwichtigend und sacht. Die Hirten könnten sie singen, einfache, arme und an harte Arbeit gewöhnte Menschen, die zu Jesu Ehren zusammengekommen sind.
Man trifft die Hirten an auf dem kleinformatigen Gemälde von Martin Schongauer, einem Andachtsbild, das große Ruhe ausstrahlt. Ärmlich und abgerissen sehen die Hirten aus. Sie sind aus der der hellen, fast paradiesisch wirkenden offenen Landschaft herbeigeeilt, und haben sich vor dem engen Stall eingefunden.
Ärmlich und abgenutzt ist das Reisebündel von Maria und Josef. Und abgenutzt ist auch das Tuch, das unter dem in friedlicher Ruhe versunkenen Jesusknaben liegt. Das Kind bildet den Schnittpunkt zweier Achsen, entlang der einen Achse sind Maria und Josef angeordnet, entlang der anderen die Hirten: Alles läuft auf Gottes Sohn zu, scheint die harmonische Anordnung der Figuren im Bild zu sagen.
Eindrücklich ist, wie lebendig Martin Schongauer hier Ochs und Esel im Stall in der Mitte des Bildes gestaltet hat. Insbesondere der Ochse blickt uns direkt an. Der englische Dichter und Kunsthistoriker John Berger schrieb einmal über den Anblick eines Tieres: „Der Mensch wird sich, indem er dessen Blick erwidert, seiner selbst bewusst.“ In dieser direkten Blickbeziehung zwischen Mensch und Tier ist die Faszination dieses Gemäldes mitbegründet.
Musik in voller Länge
Trad. aus der Normandie
„Im Stall in der Krippe“
RIAS Kammerchor Berlin
Werkangaben
Geburt Christi mit der Anbetung der Hirten (um 1475),
Martin Schongauer,
Eichenholz,
38,6 × 27,0 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins / Christoph Schmidt