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Maria mit dem Kind und singenden Engeln

Weihnachtsgeschichte, Bild 212

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Benjamin Britten war gerade einmal 17 Jahre alt, als er „A Hymn to the Virgin“ komponierte. Doch der doppelt vierstimmige Satz, bei dem ein Teil des Chors Englisch, der andere Lateinisch singt, strahlt Reife, tiefe Gefasstheit, ja Frieden, aus. Er basiert auf einem anonymen Gedicht aus dem 13. Jahrhundert, das im Oxford Book of English Verse steht. Darin wird Maria als strahlende Gegenfigur zur Sünderin Eva verherrlicht, „strahlender als der helle Tag“, „Blume aller Dinge“, „Königin des Paradieses“ und „sanfte Jungfrau“. Im englischen Original heißt es: „The well springeth out of thee /Virtutis.“ Übersetzt könnte man das: „Aus dir entspringt der Quell / Der Tugend.“

Sandro Botticelli hat in seinem Rundbild diese Eigenschaften der Gottesmutter bildlich dargestellt: Marias Gesicht, ruhig und ernst, als Ideal irdischer Frauenschönheit, hat einen nicht deutbaren Ausdruck, was ihm Tiefe und Melancholie verleiht. Die Himmelskönigin hält Jesus, den Sohn Gottes, sanft in den Armen, ist gehüllt in ihren prächtigen blauen Schutzmantel. Der Christusknabe, der den Betrachter direkt ansieht, greift nach Marias Brust, die, strahlend fein gemalt, goldene Milch spendet. Die Gottesmutter als die mitleidende Mutter des zum Opfer bestimmten Christusknaben, die Mutter aller Menschen, ist nicht nur Tugend- sondern auch Heilsspenderin.

Umgeben von singenden Engeln und weißen Lilien, Sinnbildern der Reinheit und Wappenblume von Botticellis Wohnort Florenz, und gekrönt aus dem Himmel, ist Maria Mittelpunkt dieses überzeitlichen Repräsentationsgemäldes, ruht in sich und beruhigt so die gesamte Szenerie. Es herrscht der Friede der Weihnacht.

Auf dem Bild, das auf einer runden Fläche gemalt ist, sitzt Maria in der Mitte. Sie trägt einen blauen Mantel, ein rotes Gewand und hat über ihr gelocktes Haar einen transparenten Schleier gebreitet. Ihr Kopf ist leicht geneigt, ihr Blick richtet sich zwar in Richtung der Betrachter, geht aber durch sie hindurch. 
Auf Marias Schoß sitzt, den Schoß in eine Windel gewickelt, das Christuskind. Den Blick hat es direkt in Richtung des Betrachters gewendet, beide Hände umfassen Marias rechte Brust. Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass aus dieser Brust, fein wie ein Sprühregen, goldene Milch fließt. Über Marias Kopf tut sich der Himmel auf Zwei Hände halten eine Krone, als wollten sie die Mutter Gottes krönen. 
Rechts und links von Maria und dem Christuskind sind jeweils vier Engel zu sehen. Sie alle sind kostbar gekleidet, im Stil fiorentinischer Renaissancebürgers. Sie alle halten einen Lilienstengel mit mehreren offenen weißen Lilienblüten in der Hand. Die Engel auf der linken Bildseite haben den Mund geschlossen, die Engel auf der rechten Seite richten ihren Blick in ein blau gebundenes Büchlein, ein Notenbüchlein. Sie singen, was man an ihren geöffneten Mündern und ihrem konzentrierten Gesichtsausdruck gut erkennen kann.

Musik in voller Länge

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Benjamin Britten (1913–1976)
„A Hymn to the Virgin“
RIAS Kammerchor Berlin

Werkangaben

Maria mit dem Kind und singenden Engeln (um 1478),
Sandro Botticelli,
Pappelholz,
136,5 × 136,0 cm

Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Dietmar Gunne

Detail, Goldene Milch

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Aus einem Interview mit Neville Rowley, Kurator der Gemäldegalerie

Das Kind presst die Brust der Mutter, die Milch ist in Gold gezeichnet. Das ist eine symbolische Repräsentation von der Maria lactans, Maria, die dem Kind die Brust gibt.

Und man sollte das zeigen und auch gleichzeitig verstecken, um nicht so viel Nacktheit zu haben. Botticelli hat auch andere nackte Frauen gezeichnet wie die Venus hier zum Beispiel, im gleichen Raum. Aber für eine Maria war das nicht so passend.

Das Detail war für das Publikum der Zeit klar zu sehen, versteckt, aber sichtbar.

Detail, Marias Gesicht

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Aus einem Interview mit Neville Rowley, Kurator der Gemäldegalerie

Sie ist sehr melancholisch.

Sie schaut uns an, aber ist nicht so wie mit dem Christuskind oder wie der Engel links. Sie schaut nicht wirklich. Sie denkt an etwas anderes.

Und warum ist die Maria melancholisch – im Florenz der Zeit, in der Malerei der italienische Renaissance ist es oft der Fall, weil sie weiß, dass ihr Kind zu früh für die Menschheit sterben wird.

Detail, Engelmannschaften

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Aus einem Interview mit Gregor Meyer, künstlerischer Assistent des RIAS Kammerchor Berlin

Als Musiker springt mich natürlich sofort die doppelchörige Anordnung dieses Bildes an. Wir haben auf der linken Seite vier Engel und auf der rechten Seite ebenso, also eine sehr symmetrische Anordnung.

Die rechten Engel sind gerade aktiv, die linken hören zu, aber sind dann wahrscheinlich im nächsten Teil des Liedes, das wir nicht hören, aber das wir ahnen, dann auch aktiv bei der Sache. Und dieser Dualismus ist auch zu finden in der Komposition von Benjamin Britten. Es ist ein Frühwerk von ihm.

Einerseits hat er dieses Werk doppelchörig angelegt. Es gibt einen Hauptchor und einen solistisch besetzten zweiten Chor, der im Wesentlichen auf Latein singt.

Dass englische Sprache sich mit lateinischer Sprache mischt, war in dieser Zeit unglaublich modern.

Und im dritten Teil noch ein letzter Dualismus, nämlich die Darstellung der Maria als die Königin im Paradies, also die über alles herrschende an der Seite Gottes und von Jesus. Aber gleichzeitig wird von ihrer Mütterlichkeit und ihrer Milde gesprochen. Und das beides auf ganz engem Raum entfaltet eine unglaubliche musikalische Wirkung.

Maria mit dem Kind und singenden Engeln
Gemäldegalerie
Hauptgeschoss, Raum XVIII

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